HUMBOLDT, ALEXANDER VON (1769-1859)

Alexander von Humboldt, Universalgelehrter, schon zu Lebzeiten ein Denkmal, war für das Leben Balduin Möllhausens in vielfacher Hinsicht ein entscheidender Faktor.
Humboldt hat für Möllhausen ab dessen erster Amerikareise den weiteren Lebensweg geebnet, hat ihn in den maßgebenden Kreisen der Berliner Gesellschaft bekannt gemacht.

Von nicht zu unterschätzender Bedeutung für die Karriere Möllhausens war der Anstoß Humboldts, das zeichnerische und malerische Können Möllhausens zu verbessern. Er vermittelte Balduin Möllhausen Nachhilfeunterricht bei dem mit ihm befreundeten, zu seiner Zeit sehr erfolgreichen Maler Eduard Hildebrandt (1818-1868) (Bild rechts), von dem auch, nach einer Zeichnung von Möllhausen, die Titelvignette im TAGEBUCH stammt. Vermutlich begann der Unterricht noch vor der 2.Reise und wurde dann 1854/55 fortgesetzt. In einem Brief vom 7.Nov.1855 an Alexander Mendelsohn stellte Humboldt fest:

    "... Er hat sein malerisches Zeichentalent (Landschaft und Thiere, Wälder, Wüsten) durch Hildebrandts Hülfe recht ausgebildet. ..."

und Möllhausen selbst schrieb 1857 vor seinem Aufbruch zur dritten Reise in einem Brief an Spencer F. Baird:

    "... Ich habe mich in den Ateliers unserer besten Künstler und Konservatoren vorbereitet und hoffe mir mit meiner Arbeit einiges Ansehen zu erwerben. ..."

Alexander von Humboldt setzte auch seine Freundschaft zu Alexander Mendelsohn, Vater des Verlegers Hermann Mendelsohn ein, um bei dessen Verlag Möllhausens erstes Reisewerk, TAGEBUCH EINER REISE VOM MISSISSIPPI NACH DEN KÜSTEN DER SÜDSEE unterzubringen:

    "... Hier ist Möllhausens Manuskript des ersten Bandes seines Reisewerkes, welches das Indianer-Leben und Schicksale der Weißen, die gefahrvolle Lage mit denselben schildert. [...] Ich lege die ganze schöne Sammlung der Zeichnungen bei, damit Ihre theure Gattin Freude daran finde. Es ist meine Absicht, das Werk dadurch zu vertheuren; vielleicht können 2-3 Blätter für jeden Band ausgewählt werden, um sie farbig zu geben? Indem ich Ihrem Herrn Sohn die Herausgabe zuerst anbiete, kann ich nicht den Schein einer bedrängenden Indiscretion vermeiden. Das fühle ich sehr gut, aber andere gemüthliche Gründe treiben mich, wie die Hoffnung, Ihr Herr Sohn werde frei ausschlagen, trotz der listigen "Mausefalle" meines sentimentalen "Vorworts", wenn die pecuniären Wünsche des Reisenden übertrieben wären. ..."

Durch die von ihm geschriebene Einführung

    Die Verhältnisse gegenseitigen Wohlwollens und eine gewisse Gleichheit der Bestrebungen in dem Laufe ernster und wichtiger Unternehmungen haben, wie ich schon mehrmals geäussert, allein mich bewegen können, die innere Scheu und die Abneigung zu überwinden, welche ich, vielleicht mit Unrecht , von je her vor den einleitenden Vorreden von fremder Hand hege. ... [1]

und durch Werbeartikel in Zeitungen hat Humboldt wesentlich zum Erfolg des ersten Reisewerks, das der Grundstein für die schriftstellerische Laufbahn Möllhausens war, beigetragen.

  • Balduin Möllhausen.
    (in)
    Berlinische Nachrichten von Staats- und gelehrten Sachen. Berlin. 1858, Nr. 201 v. 29. Aug., S. 4.
     
  • Balduin Möllhausen.
    (in)
    Berlinische Nachrichten von Staats- und gelehrten Sachen. Berlin. 1858, Nr. 219, S. 2.
    [Rückkehr Balduin Möllhausens].
     
  • Alexander v. Humboldt über Möllhausens Reise nach der Südsee.
    (in)
    Das Ausland. Ein Tagblatt fuer die Kunde des geistigen und sittlichen Lebens der Voelker.- Stuttgart; Muenchen; Augsburg; Tuebingen: Cotta. 1857
    Nr. 38, S. 902-904.
     
  • Möllhausen's Reise in den westlichen Theilen der Vereinigten Staaten.
    (in)
    Zeitschrift für allgemeine Erdkunde. Mit Unterstützung der Gesellschaft für Erdkunde zu Berlin und unter besonderer Mitwirkung von H. W. Dove, C. G. Ehrenberg, H. Kiepert und C. Ritter in Berlin, K. Andree in Dresden und J. E. Wappäus in Göttingen. Herausgegeben von Dr. K. Neumann.- Berlin: Verlag von Dietrich Reimer. 1857, S. 260-261.
     

Alexander von Humboldt war (vermutlich) auch Möllhausens Schwiegervater. In dem kurzen Aufenthalt von 4 Monaten zwischen der ersten und zweiten Reise in Berlin verlobte sich Möllhausen mit Caroline Seifert, Tochter von Humboldts Kammerdiener, (vermutlich) uneheliche Tochter des großen Gelehrten, und heiratete sie nach der zweiten Reise am 6.Februar 1855 in Anwesenheit Humboldts.
Eine Familienähnlichkeit ist in dem nebenstehenden Bild durchaus zu erkennen.

Ein Indiz für diese verwandschaftlichen Beziehungen, die für die offizielle Humboldt-Forschung lange Zeit unakzeptabel waren, ist auch, daß Humboldt seinen Besitz in mehreren Testamenten und schließlich in einer Schenkung seinem Kammerdiener Seifert vermacht hat. Der Perlenteppich war Teil des Nachlasses.



Alexander von Humboldts Kammerdiener
Johann Gustav Seifert

Agnes und Caroline Seifert

In einem (nur als Abschrift) bei der Familie Möllhausen aufbewahrten Brief von Balduin Möllhausen II (Enkel von Balduin Möllhausen) an Pastor Orth in Oldesloe schrieb dieser:

    Meine Großmutter und ihre Schwester Agnes waren nicht Kinder des Humboldt`schen Privatsekretärs Seyfert, sondern waren Kinder von Humboldt selbst. Deshalb setzte er sie auch zu seinen Universalerbinnen ein. Was aus dem Humboldt`schen Nachlaß noch vorhanden ist, befindet sich in meinem und meiner Schwester Besitz. Mit königlicher Genehmigung lügen hier die Kirchenbücher. Die hier erörterten Zusammenhänge wurden meinem Großvater von Alexander von Humboldt mitgeteilt, als er meine Großmutter heiratete. Und mein Großvater hat sie mir mitgeteilt ungefähr 8 Tage vor seinem am 28.Mai 1905 erfolgten Tode. Ich war damals ein junger, aber sehr selbstständiger Mensch von 17 Jahren, während mein Vater bereits seit Jahren leidend war und auch das Sterben und den Tod meines Großvaters nicht mit angesehen hat, da er in Nauheim zur Kur weilte. So ging dieses "Familiengeheimnis" direkt auf mich über ...[2]

Als Alexander von Humboldt starb, war Caroline, die sich immer "Alexandra" nannte, an seinem Sterbebett.

Wie aus den vielen Briefen hervorgeht, muß der persönliche Kontakt zwischen Humboldt und Möllhausen eng gewesen sein.
Nach Möllhausens Rückkehr von der zweiten Reise hatte Humboldt den Reisenden im Jahr 1854 vorübergehend in seiner Wohnung "mit lebendigen Waschbären und zwei kleinen mich beißenden Füchsen[3]" aufgenommen.
Aber nicht nur die Förderung durch Humboldt und die verwandtschaftlichen Beziehungen waren von Bedeutung. Auch Lebenseinstellung und Naturauffassung Humboldts prägten Möllhausen und fanden Eingang in sein schriftstellerisches Werk.

    ... Dem Reisenden, welcher Augenzeuge von dem war, was die menschliche Natur quält oder entwürdigt, ziemt es, die Klagen der Unglücklichen zu Gehör derer zu bringen, die sie lindern können. Ich habe den Zustand der schwarzen Menschen in Ländern beobachtet, wo die Gesetze, die Religion und die Nationalgewohnheiten dazu neigen, ihr Schicksal zu erleichtern; dessen ungeachtet hat sich bei der Abreise aus Amerika mein Abscheu vor der Sklaverei, den ich aus Europa mitgebracht hatte, nicht vermindert. [...] Ohne Zweifel ist die Sklaverei das größte aller Übel, welche die Menschheit gepeinigt haben, ...

Dieser Text von Alexander von Humboldt könnte auch von Balduin Möllhausen stammen.


[1]
»»» der gesamte Text

[2]
zitiert nach:
SCHEGK, Friedrich
Alexander von Humboldt und die Seinen. Nachlese aus dem Leben des großen Forschungsreisenden. 1995.
(in)
Lexikon der Reise- und Abenteuerliteratur. Herausgegeben von Friedrich Schegk.- Meitingen: Corian-Verlag. Heinrich Wimmer. 1988 ff.

[3]
»»» siehe Brief von Humboldt an Wirsch



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