I.2.a.47

Stiftung Preußische Schlösser und Gärten Berlin-Brandenburg

Fort Utah. Ansiedlung der Mormonen


Aquarell, weiß gehöht
23x27,5 cm
bez.u.l.: Möllhausen
Aquarellsammlung 2206

Die Bilder der Stiftung Preußische Schlösser und Gärten Berlin-Brandenburg:

    Den größten Teil der ihm nach der 2.Reise verbliebenen Aquarelle, darunter die Vorlagen für die Illustrationen im Tagebuch, übergab Möllhausen 1856 bei Audienzen in drei Mappen an König Friedrich Wilhelm IV.
    In einem Brief vom 18.2.1904 an das Königliche Kupferstichkabinett schrieb Möllhausen:
    ... Vor einem halben Jahrhundert hatte ich den Vorzug, dem Könige in kurzen Zeitabständen drei Mappen mit fünfzig Aquarellen überreichen zu dürfen, die sich auf meine beiden ersten Weltfahrten bezogen. Dieselben enthielten zugleich die Originale der Illustrationen, die ich der Prachtausgabe meines Erstlingswerkes einverleibte ...

    Die Bilder waren zunächst verschollen. Noch in der 1981 erschienenen Neuausgabe seines Buchs (Catlin und Möllhausen. Zwei Interpreten der Indianer und des Alten Westens. Berlin, Dietrich Reimer Verlag, 1963) erklärte Horst Hartmann, Direktor des Berliner Völkerkundemuseums:
    ... Wo die dem König von Preußen vermachten Stücke geblieben sind, ist mir unbekannt. ...

    Nach der Wiedervereinigung, im Jahr 1994, fanden Berliner Ethnologen und Sammler die Bilder in der sogenannten Plankammer des Neuen Palastes in Sanssouci. Wegen des unerwarteten Interesses wurden die Bilder dann zusammen mit vielen anderen Exponaten aus dem Ethnologischen Museum in Berlin und aus dem Besitz der Familie Möllhausen in einer Ausstellung mit dem Titel "Ein Preuße bei den Indianern" vom 28. Mai bis 23. Juli 1995 in den Römischen Bädern (Sanssouci, Potsdam) der Öffentlichkeit vorgestellt.

Abgedruckt in:

    Balduin Möllhausen (1825-1905). Ein Preusse bei den Indianern. Aquarelle für Friedrich Wilhelm IV. Stiftung Preussische Schlösser und Gärten. Berlin-Brandenburg. 1995.
    (Ausstellungskatalog)

Texte:

    Das Mormonenmädchen. Eine Erzählung aus der Zeit des Kriegszuges der Vereinigten Staaten gegen die "Heiligen der letzten Tage" im Jahre 1857-1858 von Balduin Möllhausen.- Jena und Leipzig: Hermann Costenoble. 1864.
    Neuausgabe: München: ABLIT Verlag. 2001


    ... Der Winter neigte sich seinem Ende zu, aber noch immer hielt er die Natur mit eisigen Fesseln umfangen. Unter einer tiefen Schneedecke schlummerten die Gärten und Felder, welche Fort Utah in weitem Umkreise umgaben, und wie in tiefem Schlummer versunken erschienen die in reines Weiß gekleideten Gebirgszüge. Selbst die Hütten mit der Schneelast auf den Dächern, die beschneite Plattform und die im Freien stehenden Wagen und Ackergeräthschaften, auf deren oberen Flächen die in Masse gefallenen Flocken kleine Berge und lange blendende Streifen gebildet hatten, sahen aus, als wenn sie fröstelnd lauter wärmende Decken über ihre Häupter gezogen hätten, und unfähig, der Uebermüdung länger zu widerstehen, Eins nach dem Andern eingenickt wären.

    Nur der Timpanogas war noch munter und sprudelte und gurgelte lustig in seinem Bett dahin. Er war zu stark, zu jugendkräftig, als daß der Frost auch an ihm seine Gewalt hätte ausüben können. Bildete sich aber auf dem stillen Wasser in den Biegungen wirklich eine schwache Eiskruste, so hemmte das doch nicht seinen rüstigen, eiligen Lauf, und in wenigen Minuten spülte und riß er oftmals Alles wieder fort, woran die Kälte eine ganze Nacht hindurch mit vieler Mühe gearbeitet und gebaut hatte. Ein Dutzend Krähen brachte ebenfalls noch etwas Leben in die stille Abendlandschaft. Die armen Thiere sahen indessen sehr verhungert aus, und wateten so schwerfällig durch den Schnee, wo sie in den Spuren von Menschen und Vieh einige Brosamen zu finden hofften, oder thronten so verdrießlich mit gesträubten Federn auf einem horizontalen Baumast, daß man hätte Mitleid mit ihnen empfinden und ihnen ein warmes Plätzchen in einer der Blockhütten wünschen mögen, die so einladend ihre schwarzen, von kienigem Holz herrührenden Rauchsäulen in die stille Atmosphäre hinaufsendeten.

    Der Himmel war grau und einfarbig, als habe er jeden Augenblick von Neuem beginnen wollen, seine schwere Flockenlast von sich abzuschütteln. Doch gerade die Farbe des gleichmäßig vertheilten Gewölks und die dem Einbruch der Nacht weit voraufeilende Dämmerung waren es, was der ganzen winterlichen Landschaft, so weit das Auge reichte, den Charakter einer erhabenen, feierlichen Ruhe verlieh.
    ...
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